
© Wien Museum Inv.-Nr. 205683
19., Panorama von Oberdöbling, mit Krim, Ansichtskarte, um 1911
Am 24. Januar 1991 stirbt Karl Mark im Alter von 90 Jahren.
Der Eisenbahnerbeamtensohn Karl Mark hat in seinem langen Leben so manches erlebt. Nach dem Besuch des Gymnasiums studiert er für einige Semester Rechtswissenschaften, wechselt in die Politik und wird bereits 1921 sozialdemokratischer Bezirkssekretär im „Nobelbezirk“ Döbling, in dem es neben den privaten Villen auch Fabriken und Arbeiterviertel gibt.

© privat
Karl Mark, um 1930
Prägend für sein späteres politisches Engagement ist die Ermordung des populären Arbeiterführers Franz Schuhmeier im Jahr 1913. Als ein Mitschüler meint, es war Zeit, dass endlich jemand den „roten Hund“ erschossen habe, nennt er sich fortan selbst einen „roten Hund“.
In Roten Wien ist der junge Mark einer der führenden Vertreter der „Parteilinken“; gemeinsam mit dem späteren Kommunisten Ernst Fischer gründet er die „Jungfront“ als zweite, linksalternative Jugendbewegung der Partei.
Im Februar 1934 verhaftet, verbringt Karl Mark bis zum sogenannten Anschluss insgesamt zwölf Monate in Polizeihaft und im Anhaltelager Wöllersdorf. Während der NS-Zeit gründet er mit Freunden die Widerstandsgruppe „Sozialistische Einheitsbewegung“.
„Standesgemäß“ ist auch seine Ehe mit der Tochter Anton Afritschs, dem Gründer der Kinderfreunde.
Es kam der Russe zu mir und sagte: ‚Also, ich höre, die Wasserversorgung ist nicht in Ordnung. In 14 Tagen muß sie in Ordnung sein, widrigenfalls Sie erschossen werden.‘ Habe ich gesagt: ‚Herr Major, gleich erschießen! Denn ich kann das nicht, das von mir zu verlangen ist unmöglich.‘ […] Na, da ist er gegangen, und ich lebe heute noch.
Im April 1945 wird Mark aufgrund seiner Bekanntschaft mit Ernst Fischer vom sowjetischen Bezirkskommandanten als „Burgomistr“ von Döbling eingesetzt.
Nach 1945 gehört Karl Mark, der im Döblinger Arbeiterheim regelmäßig öffentliche Diskussionsveranstaltungen organisiert, der linken Opposition innerhalb der Partei an – gemeinsam mit Erwin Scharf, Hilde Krones und einigen anderen. Mit Scharf und Krones ist Karl Mark 1947 auch an der Gründung des „Kämpfer“, dem Blatt des Bundes sozialdemokratischer Freiheitskämpfer, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschisten, beteiligt. Eine organisierte Gruppe oder gar Fraktion bilden die „Linken“ allerdings nicht und die „Resolution der 44“ am Parteitag 1947 bleibt der einzige Versuch, eine linke Opposition innerhalb der Partei in Stellung zu bringen. Nach dem Parteiausschluss von Scharf, der auf Konfrontationskurs geht, zerfällt die Gruppierung. Mark zieht sich zurück, und die Rufmordkampagne gegen Hilde Krones endet mit ihrem Selbstmord.
Mit Hilde Krones war auch die ‚neue Linke‘ in der SPÖ gestorben. Karl Mark
Karl Mark bleibt, im Rahmen seiner Möglichkeiten, zeitlebens ein Vertreter einer kämpferischen und linken Politik. Er fungiert bis 1970 als Bezirksobmann der SPÖ Döbling und vertritt die Partei von 1945 bis 1966 auch als Abgeordneter zum Nationalrat. Die Gründung der VHS-Döbling geht auf seine Initiative zurück. Kurz vor seinem Tod erscheinen seine Lebenserinnerungen mit dem bezeichnenden Titel „75 Jahre Roter Hund“.

© Wien Museum Inv.-Nr. 93082/37
1997 wird die Karl-Mark-Gasse in Döbling nach ihm benannt; die in den Jahren 1924/25 nach Plänen von Wilhelm Peterle errichtete Wohnhausanlage in der Obkirchergasse 16 trägt seit 1998 den Namen Karl-Mark-Hof.