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0219 | 4. FEBRUAR 2026    TEXT: LILLI BAUER & WERNER T. BAUER

Der Vergessene

Am 4. Februar 1941 stirbt der österreichische Architekt Karl Krist in Wien.

Der 1883 als Sohn eines Tischlers geborene Krist beginnt nach dem Abschluss der Staatsgewerbeschule ein Studium an der Technischen Hochschule, wechselt jedoch 1913 an die Meisterklasse von Friedrich Ohmann an der Akademie der bildenden Künste. Bereits während des Studiums wird Krist mit dem Olbrichpreis (1914) sowie dem Hagenmüller- und dem Fügerpreis (1915) ausgezeichnet. Nach seinem Studium tritt er 1915 in den Dienst der Stadt Wien, unterhält aber nebenbei ein Privatbüro, das v.a. Werkshallen errichtet und Umbauten durchführt.

Ab 1921 ist Krist im Siedlungswesen engagiert. Die Stadt Wien versucht damit das durch die extreme Wohnungsnot entstandene „wilde Siedeln“ an den Rändern der Stadt durch die Förderung genossenschaftlicher Siedlungen – kleine Gartenstädte nach deutschem Vorbild – zu unterbinden. Die in der heutigen Donaustadt und in Floridsdorf gelegenen Selbstversorger­siedlungen Jägermais (1921), Gartenheim (1921–1923), Lissenwasser (1922–1924), Schwarzlackenau (1922–1924) sowie die Siedlung Baumanngasse (ab 1923) mit dem angrenzendem Gemeindebau (1929) werden von Karl Krist mit Zeilen einfacher, ein- bis zweigeschossiger Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser erschlossen.

Ein „Romantiker“

In der Folge ist Karl Krist auch im kommunalen Wohnbauprogramm der Gemeinde tätig. Er entwirft die Pläne für den im „romantischen“ Stil der frühen Gemeindebauten gehaltenen Dr.-Franz-Klein-Hof (1924/25) und den Anton-Schrammel-Hof (1925/26) in Simmering, den expressiven Liebknechthof (1926/27) in Meidling sowie für die beiden kleineren Gemeinde­wohnbauten in der Rögergasse 6 (1923/24) und in der Hetzen­dorfer Straße 157–161 (1927).

Beim Wettbewerb zur Errichtung des Lassallehofes (1924–1926) geht Krist zwar als Sieger unter den 91 eingereichten Entwürfen hervor, den Zuschlag erhält allerdings sein prominenter Kollege Hubert Gessner.

Karl Krists bekanntestes Bauwerk ist wohl der in Zusammenarbeit mit Robert Oerley errichtete heutige George-Washington-Hof, ursprünglich „Gartenstadt Am Wiener­berg – Spinnerin am Kreuz" genannt. Nachdem 1925 beim Wettbewerb um die Gartenstadt Jedlesee, den heutigen Karl-Seitz-Hof, wieder­um Gessner den Zuschlag erhalten hatte, geht dieser Auftrag nun endlich an Krist.

Er hat sich mit seinen zahlreichen, weit über die Grenzen Österreichs bekannt gewordenen Bauten selbst ein Denkmal gesetzt.Rathaus-Korrespondenz, 12.2.1951

Der George-Washington-Hof ist eine weiträumige Wohnhausanlage, die nach der zum Teil harschen Kritik an den Wiener Wohnbauten im Rahmen des Internationalen Wohnungs- und Städtebau­kongresses 1926 als „aufgelockerter Superblock“ mit reduzierter Geschoßanzahl geplant und umgesetzt wird.  

Der Bau verfügt über weitläufige Grünflächen, die fünf aneinander­gereihten Höfe sind nach der jeweiligen Baumbepflanzung benannt. Karl Krist zeichnet für die Gestaltung des Birken-, des Flieder- und des Ahornhofes verantwortlich.

1938 wird Karl Krist von den Nationalsozialisten zwangspensioniert.

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