
Strnads Bau in der Loeschenkohlgasse 30-32 © WStLA
Am 3. September 1935 stirbt der österreichische Architekt,Designer und Bühnenbildner Oskar Strnad im steirischen Bad Aussee an Herzversagen.
Strnad entstammt einer kinderreichen, assimilierten jüdischen Familie. Der Vater ist als Gutsverwalter im ungarischen Györ und im salzburgischen Saalfelden tätig, wo Oskar auch seine frühe Kindheit verbringt. Bereits in der Schule in Wien wird sein Zeichentalent erkannt. Strnad studiert an der Technischen Hochschule bei Max von Ferstel und Carl König Architektur und ist im Anschluss daran im Büro von Friedrich Ohmann (Wienflussverbauung, Palmenhaus im Burggarten) sowie bei den Theaterarchitekten Fellner & Helmer beschäftigt.
Ab 1906 bildet Oskar Strnad eine Arbeitsgemeinschaft mit seinem Studienkollegen Oskar Wlach, zu der 1913 auch der um einige Jahre jüngere Carl-König-Schüler Josef Frank stößt.
1909 wird Strnad von Josef Hoffmann an die Kunstgewerbeschule berufen, von 1912 bis 1935 wirkt er dort als Professor in der Architekturklasse. Strnad ist vorwiegend als Innenarchitekt tätig, gestaltet eine Reihe von Wohnungseinrichtungen und Ausstellungen, entwirft Möbel, Lampen und auch Gläser, etwa für die Firma Lobmeyr. Zu seinen bekanntesten Schülern gehören Anton Brenner, Oswald Haerdtl, Margarete Lihotzky, Erich Boltenstern, Felix Augenfeld, Ernst A. Plischke und Franz Schuster – allesamt Vertreter eines der Moderne verpflichteten, sachlichen Baustils.

© ÖNB
Kein Wunder, gilt Oskar Strnad doch, gemeinsam mit Josef Frank, als Begründer der „Wiener Schule“ der Architektur, jener mit dem Roten Wien verbundenen „Zweiten Wiener Moderne“, die sich vom Monumentalismus der Otto-Wagner-Schule, aber auch vom Ästhetizismus der Wiener Werkstätte distanziert und, so wie bereits Adolf Loos, eine undogmatische Grundhaltung einnimmt. Strnads Hauptinteresse gilt der Qualität des Wohnens für alle Menschen – und seine Sehnsucht, so bekennt er einmal, ist es, „formlos zu formen“ und „nicht Kerker, sondern offene Welten“ zu bauen.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstehen, teils alleine, teils in Zusammenarbeit mit Wlach und Frank, mehrere private Wohnhäuser und Villen, so auch eines seiner Hauptwerke, das für den deutschen Schriftsteller Jakob Wassermann errichtete Haus in der Döblinger Paul-Ehrlich-Gasse, das 2015 nur knapp dem Abriss entging.
Viele von Strnads futuristisch anmutenden Projekten bleiben unverwirklicht, manches nur ist nur kurzlebig, und auch sein Haus in der Werkbundsiedlung Josef Franks überlebt den Krieg leider nicht. Strnads Beitrag zum kommunalen Wohnbauprogramm des Roten Wien beschränkt sich auf die Mitarbeit am 1924 errichteten Winarskyhof und auf den wenig spektakulären und zeitlos-sachlichen Bau in der Loeschenkohlgasse 30-32 (1932).
Ab 1919 ist Strnad auch als Bühnenbildner am Wiener Volkstheater tätig. 1923 entwirft er das „Drei-Szenen-Theater“, eine dreiteilige Bühne mit Kreisauditorium. Strnad „sprengt“ und erweitert damit die traditionelle Theater- und Opernbühne und schafft neue „Bühnenräume“ anstelle der herkömmlichen Bühnenbilder. Seine Entwürfe für ein „Rundtheater“ bleiben jedoch allesamt nur „Papierarchitektur“.

Winarskyhof, um 1926 © Wien Museum Inv.-Nr. 58129/60
Durch seine Freundschaft mit dem Regisseur Max Reinhardt und dem Dirigenten Bruno Walter konzentriert sich Strnad in den 1920er Jahren vermehrt auf Bühnen- und Dekorationsarchitekturen. Unter anderem entwirft er die Ausstattungen für die Erstaufführung von Ernst Kreneks „Skandalstück“ „Jonny spielt auf“ (1927).
Strnad ist an Max Reinhardts Privatseminar auch als Lehrer und für die Salzburger Festspiele als Bühnenbildner und Ausstatter tätig. In seinen letzten Lebensjahren arbeitet er vorwiegend für dieses neue Medium, u.a. für den bekannten Operettenfilm „Maskerade“ (1934) und für „Episode“ (1935), beide mit Paula Wessely, die am Höhepunkt ihrer frühen Karriere steht.
Oskar Strnad wird am Wiener Zentralfriedhof, Tor 1, in einem von der Israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrab bestattet. Seine Witwe Mathilde überlebt den Holocaust in Wien dank der Hilfe der Künstlerin Hertha Larisch-Ramsauer.
Im Oktober 1949 wird an Oskar Strnads Geburtshaus bei der Ruprechtskirche durch Bürgermeister Theodor Körner eine Gedenktafel für den Architekten, Lehrer und Bühnenbilder enthüllt. Im Frühjahr 2007 zeigt das Jüdische Museum Wien eine erste umfassende Personale „zum Ausnahmekönner Oskar Strnad“.
Literatur: Max Eisler, Oskar Strnad, 1936; Iris Meder, Evi Fuks (Hrsg.): Oskar Strnad 1879–1935, 2007. Otto Niedermoser, Oskar Strnad 1879-1935, 1965; Johannes Spalt, Der Architekt Oskar Strnad. Zum hundertsten Geburtstage am 26. Oktober 1979; Juliane Stoklaska, Oskar Strnad, 1959; Martin Wagner, Die Schule von Oskar Strnad. Ein Entwurf zur Moderne am Stubenring, 1909-1935, 1999; Ulla Weich, Die theoretischen Ansichten des Architekten und Lehrers Oskar Strnad, 1995.