
Arnold Schönberg, 1924 © Wien Museum Inv.-Nr. 44792
Am 13. Juli 1951 stirbt der Komponist Arnold Schönberg infolge eines langjährigen Herzleidens in Los Angeles.
Arnold Schönberg kommt 1874 als Sohn eines jüdischen Schuhmachers in der heutigen Oberen Donaustraße in der Leopoldstadt zur Welt – ein Kind der „Mazzesinsel“. Schon während seiner Schulzeit lernt er als Autodidakt das Violinespielen und komponiert Märsche und Polkas. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1889 verlässt er die Schule und beginnt eine Lehre in einer Wiener Privatbank. Seiner Begeisterung für Musik geht er weiterhin nach, besucht Konzerte und Opernaufführungen.
Drei Persönlichkeiten sind es, die seinen weiteren Lebensweg bestimmen: Oskar Adler, der Bruder des austromarxistischen Philosophen Max Adler, führt den jungen Schönberg nicht nur in die Musiktheorie, sondern auch in Poesie und Philosophie ein. David Josef Bach, Musikkritiker der Arbeiter-Zeitung und Initiator der Arbeiter-Symphoniekonzerte, weckt in ihm das Bewusstsein für Ethik und Moral sowie den „Widerstand gegen Gewöhnlichkeit und Allerweltsvolkstümlichkeit“. Der Komponist Alexander Zemlinsky schließlich, sein späterer Schwager, erkennt das musikalische Talent des 23-Jährigen und verhilft ihm zur Aufführung seines ersten größeren Werks, eines Streichquartetts.
Schönberg kündigt seinen ungeliebten Posten bei der Bank und übernimmt Dirigate beim Mödlinger Gesangsverein „Freisinn“, beim Männergesangverein Meidling sowie die Chormeisterstelle des Metallarbeiter-Sängerbunds Stockerau.

© Arnold Schönberg Center
Mit Anton Webern, 1932
Er verlässt die Kultusgemeinde, tritt zum evangelischen Glauben über und heiratet 1901 Mathilde Zemlinsky. Nach einem kurzen, nicht sonderlich erfolgreichen „Gastspiel“ in Berlin kehrt Arnold Schönberg 1903 nach Wien zurück und wird Mitbegründer der „Vereinigung schaffender Tonkünstler“; Anton Webern und Alban Berg sind zwei seiner Schüler.
In den Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstehen einige seiner bedeutendsten Werke. Mit der ersten Kammersymphonie (1906/07) beendet Schönberg seine spätromantische Schaffensphase und wendet sich der freien Tonalität zu. Die Uraufführung seines zweiten Streichquartetts, des ersten atonalen Werks der Musikgeschichte, am 21. Dezember 1908 gerät zum Skandal. 1910 wird Schönbergs Bewerbung um eine Professur für Komposition an der Wiener Akademie abgelehnt. Er unterrichtet deshalb weiterhin als Privatdozent und geht 1911 neuerlich nach Berlin, wo er seine theoretische Abhandlung „Harmonielehre“ beendet.
Tumultartige Szenen ereignen sich beim sogenannten Watschenkonzert am 31. März 1913 im Wiener Musikvereinssaal, bei dem nicht nur störende Konzertbesucher, sondern auch der Komponist selbst geohrfeigt werden. Der Operettenkomponist Oscar Straus, der mit Arnold Schönberg persönlich verfeindet ist, merkt an, das Klatschen der Ohrfeigen sei „noch das Melodiöseste [gewesen], das man an diesem Abend zu hören bekam.“

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Neben seiner Tätigkeit als Musiker und Komponist beschäftigt sich Schönberg in dieser Zeit auch intensiv mit der Malerei. Seine Bilder werden u.a. in der von seinem Freund Wassily Kandinsky initiierten Schau „Der Blaue Reiter“ gezeigt. Er selbst bezeichnet sich in seiner Malerei – im Gegensatz zu seiner Musik – als begeisterten Dilettanten.
Während des Ersten Weltkriegs absolviert Schönberg seinen Militärdienst in einer Militärkapelle und gründet anschließend den „Verein für musikalische Privataufführungen“, der zu einem Zentrum der Zweiten Wiener Schule und ihrer Vertreter wird. In den Konzertprogrammen des Vereins sind vor allem Komponisten wie Béla Bartók, Claude Debussy, Gustav Mahler, Hans Pfitzner, Maurice Ravel, Max Reger, Alexander Skrjabin, Richard Strauss und Igor Strawinsky vertreten.
Das Besondere dabei: Man versuchte die Musik für die politischen Ziele nutzbar zu machen, ohne ihre grundsätzliche Freiheit dabei einzuschränken.Golan Gur, Musikwissenschaftler
Als der Krieg zu Ende ist, kann sich Schönberg der theoretischen Ausformulierung der bereits in den Jahren zuvor entwickelten Zwölftontechnik widmen, die zur Grundlage der seriellen Musik bzw. auch der sogenannten Neuen Musik werden wird. Das erste Stück der Zwölftontechnik ist das 1921 komponierte Präludium der Klaviersuite op. 25.
Nach dem frühen Tod seiner Frau Mathilde heiratet er 1924 die Schwester seines Schülers Rudolf Kolisch, Gertrud. Das Paar bekommt drei Kinder, darunter auch Nuria, die spätere Ehefrau des politisch engagierten, venezianischen Komponisten Luigi Nono.
Im Roten Wien ist Arnold Schönberg über seinen Freund David Joseph Bach eng mit der Arbeiterkulturbewegung verbunden; er komponiert Chorwerke für die Arbeitersänger und dirigiert zahlreiche ihrer Konzerte. Bei Bachs Arbeiter-Symphoniekonzerten kommen auch regelmäßig Schönbergs Werke zur Aufführung. Schwere Kost…

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1925 kehrt Arnold Schönberg als Leiter einer Meisterklasse für Komposition an die Preußische Akademie der Künste nach Berlin zurück. 1933 wird ihm die Professur von der NS-Bürokratie entzogen. Im Pariser Exil wendet sich Schönberg wieder dem jüdischen Glauben zu. Einen Monat später emigriert er in die USA, wo er, zunächst in Boston, später in Los Angeles als Musikerzieher tätig ist.
1936 erhält Arnold Schönberg einen Lehrstuhl an der University of California, 1940 nimmt er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Nach seiner Emeritierung im Jahr 1944 sieht sich Schönberg aus finanziellen Gründen erneut gezwungen, Privatunterricht zu erteilen.
An seinem Geburtshaus in der Oberen Donaustraße 5 erinnert eine Gedenktafel an den bedeutenden Erneuerer der Musik, der 1974 ein von Fritz Wotruba gestaltetes Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof erhält. 1952 wird der Schönbergplatz in Penzing nach dem Komponisten benannt. 1998 übernimmt die Stadt Wien den Schönberg-Nachlass von seinen Erben und eröffnet das Arnold-Schönberg-Center am Schwarzenbergplatz.
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