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Aktuelle Seite: ‚Nie wieder Krieg!‘
0208 | 31. OKTOBER 2025    TEXT: LILLI BAUER & WERNER T. BAUER

„Nie wieder Krieg!“


Am 31. Oktober 1925 enthüllt Bürgermeister Karl Seitz das „von der Gemeinde Wien errichtete Kriegerdenkmal am Zentralfriedhof“.

Die Arbeiter-Zeitung ruft die Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes auf, eine Kranzniederlegung am und ein Defilee vor dem Denkmal abzuhalten. Sämtliche Ortsgruppen sollen mit „Trauerflor und Musik“ auszurücken.

Die Zeitschrift „Der Abend“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 31. Oktober von den Eröffnungsfeierlichkeiten. Stadtrat Julius Tandler habe das Denkmal in seiner Rede als „einen Mahnruf für die Zukunft“ bezeichnet. Anschließend habe Bürgermeister Karl Seitz das Denkmal mit dem Wunsch enthüllt, „daß die Aufschrift ‚Nie wieder Krieg!‘ die Losung der ganzen Menschheit werden möge“.

Auch die „Neue Freie Presse“ widmet dem Ereignis einen Artikel. Neben einer ausführlichen Aufzählung der anwesenden Honoratioren werden die Worte des Bürgermeisters hervorgehoben, der „den Krieg überhaupt und die Verheerungen, die er auf der ganzen Welt“ ausgelöst habe, geißelt. Doch der „Große Krieg“, der Millionen Menschenleben gefordert und die alte Weltordnung zerstört hatte, scheint nur wenige Jahre später bereits aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden...


Einzig Die Unzufriedene erinnert an die Allerheiligentage 1915, als Millionen Soldaten im Schützengraben gelegen und „einige Herren Offiziere Lust“ verspürt hätten, „einige tausend Männer in den Kampf zu schicken.“ In den allermeisten heimischen Medien dominieren ganz andere Meldungen – der angekündigte Beamtenstreik etwa oder die Beschießung von Damaskus durch die Franzosen… Und außerdem sei „heute“ ja, wie die „Illustrierte Kronen Zeitung“ auf ihrer Titelseite vermeldet, der erste Weltspartag!

Der Künstler

Das vom Bildhauer Anton Hanak im Auftrag des Roten Wien gestaltete Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges versteht sich als Gegenentwurf zum traditionellen „Helden­gedenken“. Die Vorderseite des archaisch-monumentalen Denkmals zeigt ein verschlossenes Scheintor, an der Rückseite befindet sich die Monumentalfigur der „Klagenden Mutter“, manchmal auch als „Schmerzensmutter“ bezeichnet, dreidimensional gestaltet als Hochrelief.

Hanak, der bereits vor dem Krieg einige monumentale Skulpturen von symbolhaftem Charakter geschaffen hatte – wie etwa das Figurenpaar „Arbeiter“ und „Arbeiterin“ am Vorwärtshaus, die Relieftafeln für die Fassade des Kaufhauses „Stafa“ oder die überlebensgroßen Figurengruppen an der Fassade der Versicherungsgesellschaft der österreichischen Eisenbahnen an der Linken Wienzeile – erhält auch nach der Gründung der Republik einige wichtige Aufträge – die „Magna mater“ für die Kinderübernahms­stelle, die Porträtbüste Victor Adlers für das Denkmal der Republik oder eben die „Schmerzensmutter“ auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Hinter dem Denkmal erstreckt sich die 35.000 Quadratmeter große, halbkreisförmig angelegte Kriegergrabstätte, in der ohne Unterschied der Nationalität etwa 15.000 gefallene Soldaten begraben worden waren. Den allermeisten wird nur mit kleinen, flachen, in die Erde eingelassenen Steinplatten gedacht; die wenigen verstreuten Grabsteine gehören in der Regel höheren Offizieren. „Nicht die Männer allein“, schreibt die Unzufriedene 1925 am Ende ihres Artikels, „können die kapitalistische Gesellschafts­ordnung, die Ordnung der Kriege, der Ausbeutung und des Mordes beseitigen. Das können vor allem die Frauen, indem sie unsere Kinder für die neue Gesellschaft, für die sozialistische, vorbereiten.“ Fromme Wünsche, denn nur zwanzig Jahre später ist der nächste Weltkrieg auch schon wieder vorbei.

Link: Anton Hanak im Langenzersdorf Museum

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