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Die vom 17er-Haus, 1932
Am 11. Mai 1926 wird die „Kiba“ Kinobetriebsanstalt Gesellschaft m.b.H. ins Handelsregister eingetragen.
Aufgabe der neuen Gesellschaft ist der Erwerb von Lizenzen zum Betrieb von Kinotheatern und deren Errichtung. Gesellschafter der Firma, die ihren Sitz zunächst in der Esterházygasse 39 in Mariahilf hat, sind drei Privatpersonen. 1928 werden deren Anteile von der Arbeiterbank erworben.
Im Roten Wien wird die Kiba als gemeindeeigenes Unternehmen geführt. Ihre Aufgabe ist es, den arbeitenden Menschen einen günstigen Kinobesuch zu ermöglichen und das junge Massenmedium Film auch politisch zu nützen. 1931 verfügt die Kiba in Wien und in den Bundesländern über mehr als 30 Kinos mit 16.000 Plätzen – darunter auch „Filmpaläste“ wie das Apollokino, das Opernkino, das Scala sowie das große Ufa-Theater in der Taborstraße – und stellt damit eine ernstzunehmende Konkurrenz für die privaten Kinobetreiber dar.
Die Kiba tritt auch als Produzentin auf und ist an der Herstellung von zwei Werbefilmen für die SDAP beteiligt.

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Während „Mr. Pim“ noch weitgehend dokumentarisch und an realen Schauplätzen, wie dem gerade fertiggestellten Karl-Marx-Hof gedreht wird, ist „Die vom 17er-Haus“ ein im Jahr 2032 angesiedelter utopischer Propagandafilm, der speziell für die Landtagswahl 1932 produziert wird. Der Film verknüpft Elemente von Fritz Langs „Metropolis“ aus dem Jahr 1927 mit sozialutopischer Propaganda.
Im fernen Jahr 2032 bewegen sich die Menschen zwischen verglasten Wolkenkratzern mittels Luft-Omnibussen und Stratosphärenschiffen; Licht und Heizung funktionieren drahtlos, und der „Fern-Seher“ ist omnipräsent.
Hauptfigur des nur knapp über eine Stunde dauernden Streifens ist der Stadtarchivar, der seinem Enkel erzählt, wie im frühen 20. Jahrhundert der Sozialismus erkämpft werden musste und ganz nebenbei die Errungenschaften des „Roten Wien“ beschreibt. Der Film endet mit dem Aufruf „Seid gescheit! Das rote Wien siegt! Wählt sozialdemokratisch!“
Der Regisseur des Streifens, Arthur Berger (1892, Wien – 1981, Moskau), ist ein Schüler von Oskar Strnad und Josef Hoffmann. Gemeinsam mit seinem Bruder Josef Berger und Martin Ziegler errichtet er die Gemeindebauten in der Schlachthausgasse 2–6, am Hernalser Gürtel 26 und in der Favoritner Schrankenberggasse 22.

Seine eigentliche Passion aber gehört dem Film. In der Ersten Republik ist er vor allem als Filmausstatter tätig und arbeitet für mehr als 30 österreichische Filmproduktionen, darunter den berühmt gewordenen Monumentalfilm „Sodom und Gomorrha“ (1922). Berger wird 1936 über Prag und Paris nach Moskau emigrieren, wo er unter dem Pseudonym Artur Semenowitsch wiederum als Filmausstatter tätig ist.
Selbstverständlich laufen in den Kiba-Kinos auch kürzere Werbefilme im Vorprogramm, etwa zur Einführung des Säuglingswäschepakets, zur Errichtung des Amalienbades oder zum Internationalen Jugendtreffen 1929. Das normale Spielfilmprogramm der Kiba-Kinos unterscheidet sich allerdings nicht von dem der Privaten.
Der erbarmungslose und spitzzüngige Filmkritiker der Arbeiter-Zeitung, Fritz Rosenfeld, zieht regelmäßig gegen die kapitalistische Filmindustrie und die bürgerliche Filmkritik her und warnt das Publikum vor den reaktionären Tendenzen des scheinbar „harmlosen Unterhaltungsfilms“, vor allem aber vor der Flut an „Schundfilmen“. Eigentlich sollte der Titel seiner regelmäßigen Kolumne „Welche Filme sollen wir uns NICHT ansehen“ lauten. An der Programmierung der Kiba-Lichtspielhäuser, „die in Arbeiterheimen gelegen sind, von der Arbeiterbank errichtet wurden, oder in Gemeinden mit sozialdemokratischer Gemeinderatsmehrheit von den Arbeitern geführt werden“, lässt er kein gutes Haar: „Fast alle diese Kinos spielen nicht nur den üblichen Filmschund, sie spielen von diesem Schund noch das Schlechteste; [...]sie spielen auch oft und oft Filme, die ihrer politischen Einstellung nach in Arbeiterkinos niemals gespielt werden dürften.“

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Fritz Rosenfeld
Dass er sich damit innerhalb der Partei nicht nur Freunde macht, versteht sich. Rosenfelds Hoffnungen in den Aufbau einer alternativen, ästhetisch anspruchsvollen und gesellschaftspolitisch nutzbaren Filmkultur erfüllen sich nicht, seine scharfe Kritik führt zu Spannungen und schließlich zu seinem teilweisen Rückzug. Er darf keine Filme mehr kritisieren, die in den Kiba-Kinos laufen.
Nach dem Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der Liquidierung der Arbeiterbank im Februar 1934 wird die Kiba von der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien übernommen. Nach dem sogenannten Anschluss folgt ihre Umwandlung in die „Ostmärkische Filmtheater-Betriebs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Im Zuge dessen werden auch die Kinos der Kiba in Wien, in Linz und in Steyr übernommen.
In der Ersten Republik waren die allermeisten privaten Kinobetreiber Juden. Nach dem Zweiten Weltkrieg werden nur die vormaligen Konzessionsinhaber oder deren direkte Nachkommen als anspruchsberechtigt anerkannt, die meisten der „arisierten“ Kinobetriebe daher nicht restituiert, sondern der wiederum in städtischem Besitz befindlichen Kiba übergeben. Auch Kinos, deren Betreiber NSDAP-Mitglieder waren, gehen zum Teil an die Kiba über, die damit zum größten Kinobetreiber des Landes avanciert. Darüber hinaus ist die Kiba auch an der 1949 wiederbegründeten und überaus beliebten „Österreichischen Wochenschau“ beteiligt.
1992 gründet die Kiba mit ihrem Konkurrenten, der Constantin Film-Holding, die gemeinsame Kinoerrichtungs- und -betriebsgesellschaft Cineinvest. Es bricht die Zeit der Multiplex-Kinos an, während gleichzeitig in dutzenden kleiner Kinos das Licht ausgeht. Nach der Privatisierung der Kiba im Jahr 1999 gehen ihre Anteile an der Cineinvest an die Constantin-Holding über. Einige Kinos – Cine, de France, Elite, Flotten, Gartenbau, Gloria, Kolosseum, Metro und Top – werden an österreichische Interessenten verkauft, manche bestehen bis heute als „Programmkinos“ für anspruchsvolle Filme oder als Festivalspielstätten.
Literatur: Walter Fritz, Kino in Österreich. Der Tonfilm 1929–45, 1991; Susanna Brossmann, Kunst, Kommerz und Klassenkampf. Zur Geschichte der Kiba. Kino zwischen Ideologie und Ökonomie in der Ersten Republik, Diplomarbeit, Wien 1994; Georg Tillner, Österreich, ein weiter Weg. Filmkultur zwischen Austrofaschismus und Wiederaufbau. In: Ruth Beckermann, Christa Blüminger: Ohne Untertitel. Fragmente einer Geschichte des österreichischen Kinos, Wien 1996; Klaus Christian Vögl, Angeschlossen und gleichgeschaltet. Kino in Österreich 1938–1945, 2018.